Das Thema Zungenband liegt mir sehr am Herzen, weil ein frühzeitiges Handeln sich sehr positiv auf die weitere Entwicklung auswirkt.
Ein zu kurzes Zungenband (Ankyloglossie) kann die Beweglichkeit der Zunge stark einschränken und je nach Lebensalter verschiedene Auswirkungen haben:
Viele Eltern kennen bereits die Einschränkungen bei Säuglingen und Babys
- Stillprobleme: Schwierigkeiten beim korrekten Andocken, ineffektives Saugen oder häufiges Abbrechen beim Trinken.
- Schmerzen für die Mutter: Ein falsches Saugverhalten kann zu wunden und schmerzenden Brustwarzen führen.
- Gedeihstörungen: Wenn das Baby nicht genug Milch bekommt, kann es zu einer unzureichenden Gewichtszunahme kommen.
Mein Schwerpunkt ist jedoch die Betreuung von älteren Kindern.
Hier findet zumeist eine unzureichende Aufklärung statt.
Ein verkürztes Zungenband kann weit mehr beeinflussen als nur die Sprache. Da die Zunge über fasziale Ketten mit dem gesamten Körper verbunden ist, gleicht ein zu kurzes Band einer zu straffen Leine, die den gesamten Organismus unter Spannung setzt.
Hier ist eine Übersicht der möglichen Auswirkungen bei Kindern und Jugendlichen:
1. Essen & Genießen
Schon das Kauen und Schlucken kann zur Herausforderung werden. Besonders bei fester Nahrung haben Betroffene oft Mühe, den Speisebrei effizient im Mund zu bewegen und sicher zu schlucken (zb. schmatzen und verschlucken).
2. Sprache & Artikulation
Wenn die Zungenspitze den Gaumen nicht frei erreicht, leidet die Präzision. Laute wie „s“, „z“, „l“, „r“, „d“, „t“ oder das englische „th“ klingen oft verwaschen oder fallen sichtlich schwer.
3. Kiefer & Zahngesundheit
Die Zunge ist der natürliche „Formgeber“ des Kiefers. Fehlt ihr Druck am Gaumen, kann dieser hoch und schmal wachsen, was zu Zahnfehlstellungen führt. Zudem entfällt die Selbstreinigung durch die Zunge; ein trockener Mund durch ständige Mundatmung erhöht zusätzlich das Kariesrisiko.
4. Körperstatik & Faszien
Die Spannung setzt sich fort: Von Kopf bis Fuß können fasziale Verspannungen entstehen. Die Folgen sind vielfältig und reichen von Nacken-, Kopf- und Rückenschmerzen bis hin zu Fußbeschwerden oder einer instabilen Körpermitte (wie einer nicht schließenden Rektusdiastase). Auch motorische Entwicklungsverzögerungen bei jüngeren Kindern sind zu beobachten. Z.b. verspätete Drehung von der Rückenlage in die Bauchlage, verspätete Aufrichtung, verspätete Orientierung nach oben, besonders aus der Bauchlage. Stolpern und instabiler Gang, Fußfehlstellungen, Beckenschiefstände, Beinlängendifferenzen (muskulär bedingt oder durch Schiefstand).
5. Atmung & Schlaf
Ein „gefesseltes“ Zungenband begünstigt die Mundatmung. Dies führt oft zu:
- Schnarchen und unruhigem Schlaf.
- Kurzatmigkeit und häufigen Seitenstichen beim Sport.
- Konzentrationsmangel, Hyperaktivität und Tagesmüdigkeit.
6. Zusätzliche Symptome
Sogar vegetative Funktionen können betroffen sein: Ein dauerhaft offener Mund oder nächtliches Einnässen stehen manchmal in direktem Zusammenhang mit der gestörten Atemphysiologie und der permanenten körperlichen Stressreaktion durch die Einengung.
Diese Aufzählung ist nicht abschließend, verdeutlicht jedoch die Bedeutung einer frühzeitigen Erkennung eines verkürzten Zungenbandes.
Die Behandlung sollte ausschließlich durch auf diesen Bereich spezialisierte Fachärzte, beispielsweise in einem Zungenbandzentrum, erfolgen.
Von grundlegender Bedeutung für eine Zungenbandtrennung ist sowohl die umfassende Vor- als auch Nachsorge. In diesem Zusammenhang stehe ich Ihnen gerne zur Seite. Ich habe mich in diesem speziellen Bereich, aktuell nochmals weitergebildet, um Ihnen sämtliche relevanten Informationen zur Behandlung fundiert zur Verfügung zu stellen.
Des Weiteren erläutere ich Ihnen vorbereitende Maßnahmen, die eine erfolgreiche Trennung ermöglichen. Ohne eine angemessene Vorbereitung kann es bei tief liegenden Zungenbändern (median oder posterior) dazu kommen, dass das Zungenband nicht ausreichend hervortreten kann, was es dem Arzt erschwert – im schlimmsten Fall unmöglich macht – eine vollständige Trennung durchzuführen.
Die Nachsorge ist ebenfalls von großer Wichtigkeit. Bei Säuglingen wird die Wunde nicht genäht, was zu einem raschen, oft innerhalb weniger Stunden, Verwachsen der Schnittstelle führen kann, wodurch die Maßnahme möglicherweise nicht die gewünschte Wirkung erzielt. Hier ist aktives Wundmanagement erforderlich. Auch wenn ich aktuell keine Säuglinge mehr aufnehme, da ich vorwiegend ältere Kinder betreue, kann ich Ihnen bei Bedarf jedoch sehr gute Kollegen empfehlen, damit die jetzt möglichen korrekten Mundfunktionen, wie etwa das richtige Still- oder Schluckverhalten, erlernt werden.
Ein besonderes Augenmerk habe ich auf die älteren Kinder nach Zungenbandtrennungen. Hier geht es darum zu verhindern, dass sich das Zungenband nach der ersten Zeit wieder verkürzt darstellt. Auch hier ist aktives Dehnen zwingend erforderlich. Da die Kinder bereits aktiv mitarbeiten können, schließen sich Trainings an, die zum Ziel haben, die Funktionen der Zunge maxial auszuschöpfen und der Zunge ihre volle Funktion zu geben, sowie Kompensationsmuster im ganzen Körper aufzuspüren und gezielt zu lösen. Hier bahnen wir auch die korrekte Nasenatmung an, sowie das richtige Schluckmuster. Nach etwa 4 - 6 Wochen nach der Trennung kann ich gern an vorhandende, explizit geschulte Logopöden abgeben.
Nähere Infos zur Begleitung finden Sie unter "Inhalt und Preise bei Zungenbandtrennungen.
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E-Mail: melanie.bischoff@mellismundwerk.de
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